Der Kaufmann Wilhelm Endemann zu Bochum bekommt das
Feld „Dominica" verliehen. 1856 kommen das Feld
„Veronica", 1858 die Felder „Theresia I" und Mathilde I"
sowie die Felder „Louis" und „ Jérome" hinzu.
Sodingen erhält den Anschluß an den Bahnhof Herne.
Wahrscheinlich als Kriegsgefangener lernt Franz August
Vivier aus Lyon den Ruhrbergbau erstmalig kennen.
Am 15. November 1871 erfolgt der erste Spatenstich zur
Niederbringung des ersten Schachtes.
Die fünf Grubenfelder Theresia 1, Eugenia, Mathilde 1, Louis
und Jerome werden zusammengeschlossen. Das Grubenfeld
wird an den Bergbauingenieur Josef Monin aus Marseille und
an den Rentier Franz August Viviers aus Lyon verkauft. Im
Gedenken an eine technische Meisterleistung dieser Zeit, die
Inbetriebnahme eines 13 Kilometer langen Tunnels durch den
Berg namens „Mont Cenis" in den französischen Alpen, wird
am 27. Juli 1872 die „Gewerkschaft der Steinkohlenzeche
Mont Cenis Sodingen i. Westf." gegründet.
Auf Schacht 1 ist Kohle in Sicht: das Steinkohlengebirge wird
bei einer Tiefe (Teufe) von 190 Metern erreicht.
Im Jahr 1875 beginnt die erste Förderung auf Mont-Cenis.
Der Abbau der Gaskohle, auf die man statt der erwarteten
Fettkohle trifft, erfolgt durch Sprengungen und durch die
harte Arbeit mit der Hacke. Statt der geplanten 400.000 Taler
hat die Entwicklung bereits 750.000 Taler gekostet.
Der erste Ventilator wird an den Wetterturm des Schachtes 1
angeschlossen.
Wilhelm Endemann verpachtet auch das letzte seiner
Grubenfelder „Veronica" an die Gewerkschaft Mont-Cenis.
Verschiedene Feldesteile werden untereinander ausgetauscht.
Durch Zahlung von 750 000 Mark kauft sich die Gesellschaft
Mont Cenis von den Verpflichtungen an den Vorbesitzer
Wilhelm Endemann frei.
Für Schacht 1 wird ein Wetterschacht abgeteuft, der Frischluft
nach unter Tage führt.
Durch einen großen Grubenbrand werden wertvolle aus- und
vorgerichtete Betriebspunkte in der Nordmulde des
Grubenfeldes vernichtet. Neben tektonischen Störungen,
fehlenden Wohnungen für die Stammbelegschaft, ist dieser
Grubenbrand ein Grund für die immer wieder prekäre
wirtschaftliche Lage des Unternehmens.
Mit dem Aufschwung der Wirtschaft schreitet auch die
Entwicklung auf Mont-Cenis jetzt zügig voran.
Die Tagesanlagen auf Mont-Cenis werden erweitert . Es wird
eine Kohlenwäsche errichtet. Die Gründung des Rheinisch-
Westfälischen Kohlensyndikats sichert die Absatzmärkte.
Ermutigt durch die besseren Aussichten beschließt die
Gewerkenversammlung, eine zweite Schachtanlage zu
errichten, die ihren eigenen Wetterschacht, bestückt mit
Ventilatoren, bekommt.
Die Förderung auf Schacht 2 wird aufgenommen. Es beginnt
eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Der Anstieg der Kohleförderung erfordert eine stärkere
Fördermaschine. Es wird eine 800 PS starke Fördermaschine
mit Köpeförderung aufgestellt. Im selben Jahr kommt es zur
Fertigstellung des Wetterschachtes, inklusive des
Ventilatorenanschlusses, am Schacht 2. Mit der
Jahrhundertwende beginnt die Mechanierung und die
Technisierung des gesamten Kohleabbau. Zur
Jahrhundertwende arbeiten 2.389 Mann auf Mont Cenis und
fördern 715.175 Tonnen Kohle. In 522 Wohnungen siedeln
4.037 Einwohner - fast achtmal so viele Menschen wie noch
25 Jahre zuvor.
Die erste untertägige Wasserhaltung mit Pressluftantrieb wird
in Betrieb genommen.
Die Gewerkschaft Mont-Cenis übernimmt die Zeche Ver.
Bommbänker Tiefbau mit dem Ziel, diese bis zur völligen
Ausbeutung in Betrieb zu halten, damit im Anschluß daran
deren Anteile am Kohlesyndikat auf Mont-Cenis übergehen.
Die Zeche ist weiter auf Expansionskurs: Es beginnt die
Abteufung von Schacht 3, der mit Schacht 1 zusammen als
Doppelschachtanlage eingerichtet wird. Gleichzeitig wird die
Batterie 1 der Kokerei Mont-Cenis wird in Betrieb
genommen. Dadurch wird die Gewinnung von
Nebenprodukten möglich. Die Anschaffung einer Benzol-
Lokomotive vereinfacht die Streckenförderung. Zusätzlich
wird mit dem Bau einer Kraftzentrale auf Mont-Cenis
begonnen.
Wegen eines Wasserrohrbruchs wird die Zeche Ver.
Bommerbänker –Tiefbau" stillgelegt. Damit beträgt die
Beteiligung beim Kohlensyndikat insgesamt 895.000 Tonnen
Kohlen, die von der Gewerkschaft Mont-Cenis zu
garantierten Preisen geliefert werden müssen.
Die Gewerkschaft Mont-Cenis beteiligt sich an der Deutschen
Mondgas- und Nebenprodukten-GmbH. Nach einem
Verfahren des englischen Chemikers Mond wird nördlich der
Schachtanlage 1/3 Ammoniak gewonnen.
Schacht 3 nimmt den Betrieb auf. Die Gewerkschaft Mont
Cenis erwirbt die erste von drei Ziegeleien, die den
Schieferton verarbeiten, der auf Schacht 1 als Abraum anfällt.
Die rege Bautätigkeit im Ruhrgebiet sorgt für eine kräftige
Nachfrage.
Die Kohleförderung steigt durch die Inbetriebnahme und
höhere Produktivität: in diesem Jahr werden bereits 893.000
Tonnen durch 3.325 Beschäftigte gewonnen.
Ein Grubenbrand macht auf der Anlage 1/3 die Abdämmung
einer Abteilung notwendig.
Durch einen Blindschachtbrand wird das Abdämmen von
zwei Revieren erforderlich. Die Kohlenförderung sinkt: 2.545
Beschäftigte fördern in diesem Jahr 719.000 Tonnen Kohle.
Der Röchling-Konzern erwirbt 995 von 1000 Kuxen der
Gesellschaft, die aber dennoch weiterhin selbständig bleibt.
Während der Kriegsjahre werden rund 540 Kriegsgefangene
auf Mont-Cenis eingesetzt.
Die Kohleförderung steigt wesentlich geringer als der
erforderliche Personalaufwand: In diesem Jahr werden auf
Mont-Cenis 819.000 Tonnen Kohle durch 4.175 Beschäftigte
gefördert.
Am 20. Juni 1921 fordert das schwerste Grubenunglück der
Herner Bergbaugeschichte 85 Todesopfer. Die Unfallursache
ist menschliches Versagen: ein Schießhauer löst durch eine
verbotene Sprengung mit Dynamit in der Kohle eine
Schlagwetterexplosion aus. Der Röchling-Konzern richtet
einen Verbund zwischen Mont-Cenis und der
Maximilianhütte in der Oberpfalz ein, die fortan mit Koks
von Mont-Cenis beliefert wird.
Passiver Widerstand der Bergleute: während der
Ruhrbesetzung sinkt die Förderung auf 286.000 Tonnen.
Der Bau einer Anschlußbahn zum Hafen „Friedrich der
Große" verbindet Mont-Cenis mit dem Kanalnetz. Die
Rationalisierungswelle im Steinkohlenbergbau beginnt.
Ein neues Hochdruckkesselhauses und eine neue
Kraftzentrale wird gebaut. In den Jahren von 1927 bis1929
wird die hohe Fördermenge von 1. Mio. Tonnen erreicht., das
bedeutet eine Durchschnittsförderung von ca. 3.400 Tonnen
Kohle pro Tag.
Die Maximilianhütte übernimmt alle Kuxe von der
Gewerkschaft Mont-Cenis.
Auch der Schacht 2 wird mit Schacht 4 zu einer
Doppelschachtanlage ausgebaut.
Eine Schlagwetterexplosion, diesmal ausgelöst durch eine
herabgefallene Sicherheitslampe, fordert mindestens 17
Todesopfer.
Die Weltwirtschaftskrise und Rationalisierungwelle zeigen
Auswirkungen: die Belegschaft hat sich binnen zehn Jahren
um knapp zwei Drittel reduziert: von 5.990 auf 1988 Mann.
Die Förderung auf der Doppelschachtanlage 2/4 wird aus
wirtschaftlichen Gründen vorübergehend eingestellt.
Fünf Bergleute sterben als ein Grubenbrand durchbricht. Das
gleiche Schicksal trifft einen Betriebsführer und einen
Bergassessoren einen Tag später an einer anderen Stelle des
Bergwerks.
Die Harpener Bergbau AG, deren Aktienmehrheit von der
Maximilianhütte gehalten wird, kauft die Gewerkschaft Mont-
Cenis auf und gliedert sie in die Bergwerksdirektion Herne
ein, zu der auch die Zechen Julia und Recklinghausen II
gehören.
Die Zeche Mont-Cenis kommt in den Besitz der mit Krupp
vertraglich verbundenen Gewerkschaft „Ver. Constantin der
Große". Dieser Zusammenschluß eröffnet neue Perspektiven
in der Kokerei-, Strom und Gaswirtschaft.
Es wird eine Verbindungsbahn Constantin - Mont-Cenis
gebaut - aufgrund des Krieges zunächst das einzige
nennenswerte Resultat der 1939 geschlossenen Verbindung
mit „Ver. Constantin der Große". Noch werden 900.000
Tonnen durch 2.385 Beschäftigte gefördert.
Während der Kriegsjahre wird die Förderung zunächst bei
etwa 800.000 Tonnen gehalten. Zeitweise werden bis zu 800
Kriegsgefangene und Ausländer auf Mont-Cenis eingesetzt.
Gegen Ende des Krieges sinkt die Förderleistung. Im März
und April 1995 kann wegen des Krieges nur an wenigen
Tagen überhaupt gearbeitet werden. Insgesamt wurden 1945
nur noch rund 275.000 Tonnen Kohle gefördert.
Die Alliierten fördern die Arbeit der Bergleute als Basis für
den Wiederaufbau der Wirtschaft. Die Förderung läuft jetzt
wieder zügig an. Es werden knapp 300.000 Tonnen Kohle
gefördert.
Die Batterie 4 der Kokerei wird fertiggestellt.
Die Schachtanlage 2 / 4 wird mit einem gemeinsamen
Wetterkanal und einem leistungsfähigen Grubenlüfter
ausgestattet.
Die Belegschaft der Schachtanlage 2/4 erhält CO-Filter-
Selbstretter. Auf Mont-Cenis treten Stahl- und
Leichtmetallstempel zunehmend an die Stelle von
Holzstempeln.
Mit Hobelanlagen wird begonnen, die Kohlengewinnung
untertage zu mechanisieren.
Eine Methan-Absauganlage verringert die Gefahr von
Grubenbränden.
Bis zum Jahr 1955 hat sich die Förderung wieder stabilisiert:
2.760 Beschäftigte fördern in diesem Jahr 708.000 Tonnen
Kohle.
Für die Beschäftigten wird ein Gesundheitshaus für
vorsorgende Maßnahmen gebaut. Auch die Arbeiter auf
Schacht 1/3 werden mit CO-Filter-Selbstrettern ausgestattet.
Untertage werden bei der Auffahrung der 7. Sohle nach
Süden Bunkerzüge eingesetzt.
Erdolimporte führen zu Absatzproblemen im gesamten
Steinkohlenbergbau.
Die Bergleute tragen ihre Grubenlampe jetzt nicht mehr in der
Hand, sondern am Helm: die „Kopflampe" wird eingeführt.
Aufgrund von Absatzschwierigkeiten wird die Fünftagewoche
eingeführt.
Die Zeche kommt zur Hütten- und Bergwerke Rheinhausen
AG". Auf Schacht 4 wird bis zur 8. Sohle abgeteuft. Ein
Grubenbrand auf der achten Sohle zwingt jedoch zur Aufgabe
aller Aktivitäten im östlichen Grubenfeld. Seilfahrten werden
nur noch über Schacht 1/3 unternommen. Dort wird die 7.
Sohle im westlichen Bereich stärker ausgebaut. Ab April
1960 können die Kohlen hier per Skip-Förderung gehoben
werden. Trotz starker Modernisierung werden „nur" 560.000
Tonnen Kohle gefördert.
Die Kokerei auf Mont-Cenis wird stillgelegt.
Die Förderung auf der Schachtanlage 1/3 und die
angeschlossene Wäsche werden eingestellt. Die Kohlen
werden unter Tage nach Constantin der Große transportiert.
Auch die Werksdirektion wird in den Förderbereich
Constandin der Bochumer Krupp-Zechen integriert.
300 Belegschaftsmitglieder von Constantin 4 / 5 werden
übernommen, so daß die Förderleistung noch einmal ansteigt.
Eine Schlagwetterexplosion auf der Zeche Mont-Cenis fordert
neun Todesopfer, darunter sechs Männer der Grubenwehr.
Der offene Brand in 750 m Tiefe erzeugt eine extreme Hitze,
so daß die Vermißten aufgegeben werden müssen. Die
„Hütten und Bergwerke Rheinhausen AG" wird umbenannt
zur „Friedr. Krupp Bergwerke AG".
Die Zeche Constantin / Mont-Cenis und Zeche Hannibal
gehen auf der 950 m-Sohle einen Förderverbund ein. Die
Kohlen aus dem Feld Mont-Cenis werden nun unter Tage
zum Schacht Hannover transportiert.
Der Schacht Lothringen 6 wird als Wetterschacht
übernommen.
Die Friedr. Krupp Bergwerke AG wird in die Ruhrkohle AG
eingebracht. Zwischen Schacht 1 und Blindschacht 16 b wird
eine 1300 Meter tiefe Sohle erschlossen - ein Rekordwert. Mit
-1220 m NN stellt sie damals die tiefste Hauptfördersohle im
Ruhrbergbau dar. Schacht 2 wird verfüllt. Es wird damit
begonnen, die gesamte Grube wird von Wagen- auf
Bandförderung umzustellen.
Die Bergwerksdirektion Bochum wird stillgelegt. Mont-Cenis
bleibt jedoch in Betrieb und wird an die Zeche Friedrich der
Große angeschlossen. Hierzu wird ein 1.200 m langer
Bandberg aufgefahren.
Mit 4.383 Tonnen wird die höchste durchschnittliche
Förderung pro Arbeitstag erreicht. Insgesamt wird in diesem
Jahr wieder über eine Mio. Tonnen Steinkohle (1.082 474 t)
ans Tageslicht geholt.
Das Steinkohlebergwerk Friedrich der Große - Mont-Cenis
wird am 31 März 1978 endgültig stillgelegt.